„Austausch ohne Grenzen“ - Sozialstunden & Demokratiebildung
Sozialstunden ableisten – aber mal anders
Am Samstag, den 13.12.2025, waren wir im Rahmen des Projekts „Austausch ohne Grenzen“ gemeinsam mit MATCH und Lernort Geschichte in Stuttgart unterwegs. Ziel war es, Sozialstunden mit politischer Bildung, Austausch und gemeinsamen Erfahrungen zu verbinden.
Los ging es an der Gedenkstätte Nordbahnhof, wo wir uns mit der deutschen Geschichte in der NS-Zeit beschäftigt haben – insbesondere mit Vertreibung, Deportation und dem Schicksal jüdischer Menschen sowie von Sinti und Roma. Auch die Geschichte des NSU wurde thematisiert, unter anderem an einem nahegelegenen Ort, an dem ebenfalls ein Anschlag geplant war. Ein herausforderndes Thema, das aber ruhig, respektvoll und aufmerksam aufgenommen wurde.
Nach dem intensiven Start gab es eine kleine Pause im Milaneo zum Aufwärmen und Durchatmen. Danach führte unser Weg nach Stuttgart-West. Ein spontaner Abstecher in den Chinesischen Garten durfte nicht fehlen – einfach, weil alle Interesse daran hatten. Anschließend suchten wir die ersten Stolpersteine. Unterwegs kamen wir an einer Gedenktafel vorbei, die den Standort des ehemaligen sogenannten „Judenladens“ markiert – ein schlecht bestücktes Geschäft, in dem jüdische Menschen einkaufen mussten, weil ihnen der Zugang zu anderen Läden verwehrt war. Viele mussten diesen Laden zu Fuß erreichen, da ihnen die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel untersagt war.
Die Stolpersteine waren zunächst kaum zu erkennen, da sie stark verschmutzt waren. Also griffen wir zu Wasser, biologisch abbaubarem Spülmittel und Schwämmen – und schon nach kurzer Zeit wurden die Namen wieder sichtbar. Zum Abschluss wurden die Steine noch poliert, sodass sie wieder glänzten. Das bewusste Tun und das Gefühl, etwas Sichtbares und Sinnvolles getan zu haben an diesen Erinnerungszeichen motivierte dazu, noch weitere Stolpersteine zu suchen und zu reinigen.
Unser nächstes Ziel war die Gedenktafel von Fritz Bauer. Wir sprachen über seine Rolle als Generalstaatsanwalt und seine Bedeutung für die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen – und warum sein Einsatz bis heute relevant ist. Danach ging es zur Atzenbergstraße, wo früher – vor der Wilhelma – der erste Zoo Stuttgarts stand. Dort wurden nicht nur Tiere aus deutschen Kolonien gezeigt, sondern auch Menschen aus kolonisierten Regionen. Dieses Thema regte viele zum Nachdenken an.
Spontan besuchten wir anschließend das Linden-Museum, um den Schwerpunkt Kolonialismus weiter zu vertiefen. Dabei entstanden sehr gute Gespräche – offen, interessiert und respektvoll.
Wir hatten eine engagierte Gruppe junger Menschen, die neugierig war und diese besondere Form der Sozialstunden sehr geschätzt hat. Auch der persönliche Austausch kam nicht zu kurz: Während des Spaziergangs gab es Raum, eigene Geschichten und Gedanken zu teilen.
Insgesamt war es ein intensiver und gelungener Tag – und bestimmt nicht der letzte. Erste Anfragen für eine weitere Runde liegen bereits vor.
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